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Quelle:

Ostthüringer Zeitung Artikelserie zum 400. Geburtstag von

Lückenmühle, beginnend am 28.10.1996

Am heutigen Montag kann das Örtchen bei Remptendorf seinen 400. Geburtstag feiern.

Der “Luppenmüller” von der Lückenmühle zahlte acht Hühner Zins.

LÜCKENMÜHLE. - Die Herrschaft über das Schleizer Oberland hat in den vergangenen

Jahrhunderten vielfach gewechselt, und selbst innerhalb der Adelsfamilien kam es immer wieder zu

Besitz- und Machtteilungen, für die dann jeweils ein aktuelles Besitzverzeichnis und darauf die

entsprechenden Teilungsregister angefertigt worden sind. Die älteste bekannte und umfassendste

Aufzeichnung von dem ehemaligen Amt Schleiz ist das in den Jahren 1594 bis 1596 angefertigte

Verzeichnis, da es auf 314 Folioblättern einen nahezu vollständigen Einblick in die lehnsrechtlichen

und wirtschaftlichen Verhältnisse im ausgehenden Mittelalter vermittelt. Das Buch, darinnen die

Herrschaft Schaitz, Burgk und Salburgk in drei Teile aufgeteilt und alle deren Einkünfte und Nutzungen

beschrieben, datierte zu Schleiz am 28. Oktober 1596. Die hier erfassten Nutzungen aus der

Herrschaft wie auch von jedem einzelnen Dorf, die verordneten Frondienste, Heerfolge, Steuern und

Gerichtsbarkeit, die Auflistung der herrschaftlichen Güter, Vorwerke, Mühlen, Jagd und Fischerei

werden demnach am 28. Oktober diesen Jahres genau 400 Jahre alt. Für die Regional- und auch die

Ortsgeschichte ist das eine wahre Fundgrube, die zwar im Original nur noch in einem einzigen

Exemplar erhalten blieb, aber in umfangreichen Auszügen in einem Druck für die Allgemeinheit zur

Verfügung steht: Die Herrschaft Schleiz bis zu ihrem Anfall an das Haus Reuß, Festschrift des

Geschichts- und Altertumsforschenden Vereins zu Schleiz, Schleiz 1902. Unter den Belastungen der

Untertanen erschienen auch eine Vielzahl von Geld- und Naturalabgaben für solche einfachen Rechte

wie das Sammeln von Leseholz, das Einschlagen von Bauholz oder andere Waldnutzungen; da war

der Waldzins und Holzzins, da ist die Rede vom Abmeßgeld oder dem Aschergeld. Es war wohl nichts

übersehen, wofür die Amtsherrschaft die Untertanen nicht abkassierte: Für das Recht zum Lesen von

dürrem Holz, für die Gräserei, Hutweide und das Streusammeln und Moosraufen mußten die

Saalburger Bürger die Jagdfron leisten. Die Leute am Köthenwald hatten für die Erlaubnis zum

Moosraufen oder Moosrechen den sogenannten "Mooshafer" zu liefern. Für die Hutweide im Wald

mußten die Oberböhmsdorfer für jedes Pferd und für jede Kuh ein Huhn bringen, und das waren dann

im Jahr insgesamt 88 junge "Gras- oder Weidehühner". Dazu zählten auch die 20 "Gransgänse" aus

Röppisch sowie die 45 aus Remptendorf, die mit jeweils drei Groschen veranschlagt waren. Hier

erscheinen endlich auch die acht alten Hühner, welche der "Luppenmüller" für die Gräserei im

Streitwald zinste, und dieser Müller ist dann niemand anderer als der damalige Besitzer der alten

Mühle am Otterbach in dem Grund zwischen Streitwald und den Waldhängen von Rödern und

Siehdichfür. Mit diesem "Luppenmüller" in dem Teilungsregister vom 28. Oktober 1596 liegt zugleich

die älteste bekannte urkundliche Erwähnung von Lückenmühle vor, die damit am heutigen Montag

ihren 400. Geburtstag begeht. Um die Namensdeutung und die Ortsbildung der Otterbachsiedlung sind

die Ansichten bis heute recht geteilt.

400jähriges “Geburtstagskind” gibt Rätsel auf War die Lückenmühle einst eine Teufelsmühle?

In dem herrschaftlichen Besitzerverzeichnis vom Jahre 1596 sind auch sämtliche Waldzinsen

aufgenommen worden, die von den Untertanen aufgebracht werden mußten. Darunter wird dann ein

"Luppenmüller" genannt, der für die Nutzung des Waldgrases im nahen Streitwald jährlich acht Hühner

an die Herrschaft zu liefern hatte. Mit dem Namen des Müllers liegt zugleich die älteste bisher

bekannte urkundliche Erwähnung von "Lückenmühle" vor, die demnach genau 400 Jahre alt geworden

ist. Die alte Mühle soll früher jedoch weiter aufwärts im Thimmendorfer Grund gestanden und daher

auch "Thimmendorfer Mühle" geheißen haben (nach Bruckner, Landeskunde Reuß j.L., Gera 1870).

Ob dies allerdings schon vor der Erwähnung im Register von 1596 gewesen sein soll und auch wann

dann ihr Standort an die heutige Stelle verlegt wurde, ist nicht angegeben. Seit 1596 darf der Standort

der Lückenmühle wohl mit großer Wahrscheinlichkeit am Zusammenstoßen von Ruheiltal, Mittelgrund,

Thimmendorfer Grund und Ottengrund angenommen werden. Der Zusammenfluß von Ruheilbach,

Mittelbach und Friesaubach sowie Häselichs - oder Thimmendorfer Bach - bildet hier außerdem den

Großen Otterbach. Noch vor kaum hundert Jahren bestand die ganze Ortslage lediglich aus der

Mühle, dem Forsthaus für den Streitwald und zwei Bauernhöfen (nach Brückner). Neben der

urkundlichen Erwähnung des "Luppenmüllers" vor nunmehr also genau 400 Jahren erfährt die Mühle

ihre nächste Nennung im Jahre 1624. Sie erscheint als eine Schneidemühle mit einem "Nicol Müller,

Finck genandt, inn der Lückenmühl". Nach diesem Besitzer ist das Mahlwerk vorübergehend auch

"Finkenmühle" genannt worden. Die Anlage soll jedoch während des 30jährigen Krieges verwüstet

worden und erst später neu aufgebaut worden sein (nach Rosenkranz, Flurnamen des Bezirkes Gera,

Greiz 1982). Die Siedlungsforschung stütze sich bisher für eine Erklärung der Ortsbezeichnung von

Lückenmühle auf die überlieferung von 1624 als "inn der Lückenmühl" und suchte nach einer Ableitung

des Ortsnamens von einer ehemaligen "Lücke": "Der Name könnte nach der Lage gebildet sein, denn

die Mühle liegt am Zusammenfluß von drei von Osten, Süden und Westen kommenden Bächen, die

gemeinsam nach Norden fließen und somit eine deutliche Lücke im Hochplateau markieren..." (nach

Rosenkranz). Diese Ansicht läßt allerdings nicht erkennen, ob mit der "Lücke" nun eine Siedlungs-,

Flur- oder Flußnetzlücke oder was sonst für eine Lücke gemeint sein soll. Grundlage für eine

Namensdeutung kann jedoch nur die älteste bekannte Schreibweise mit dem "Luppenmüller" von 1596

sein. Von daher erscheint dann am naheliegendsten eine Ableitung von dem althochdeutschen "Lupe",

also dem im Mittelalter auch in unserer Region durchaus noch vorhandenen Wolf. Damit ließe sich der

ursprüngliche Name des Gebäudes als "Wolfsmühle" deuten. Dafür spricht außerdem der alte

Flurname "Wolfsecke" in der Ortslage von Lückenmühle. Ein wenig fantastischer mag dagegen eine

ganz andere Ableitung von einem althochdeutschen "Luppari" sein, was dann soviel wie Zauber oder

auch Heilkraut bedeutet. Eine derartige Erklärung würde also in das Quellgebiet vom Großen

Otterbach eine "Zaubermühle" versetzen - eine Ansicht, die durchaus nicht so völlig abwegig ist, wie

sie vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Denn im Sagenschatz und im Volksglauben des

Oberlandes wird der Müller sehr häufig in Verbindung mit Zauberei und selbst dem Teufel gebracht. Da

der Müller oft gezwungen war, auch in der Nacht zu arbeiten, verschaffte ihm das den Ruf von etwas

Unheimlichem und die Nachrede, daß er mit dem Teufel im Bunde stünde (nach Ungelenk, Mühlen im

Schleizer Land, Burgk 1972). übrigens hat die Lückenmühler Flur unmittelbar hinter der Ortslage in

Richtung Thimmendorfer Grund ein "Teufelsloch". Möglicherweise ist das der Standort der ehemaligen

"Teufelsmühle".

Das 400jährige Lückenmühle und seine “Geschwister” Weisbach war Patengeschenk "Die Gemeinde Lückenmühle", heißt es in einer früheren Darstellung (von G. Brückner, Landeskunde Reuß j.L., Gera 1870), "besteht als politische Gemeinde, 1848 gegründet, aus den fünf kleineren Orten und Einzelhäusern Lückenmühle, Rödern, Siedichfür, Joachimsmühle und vier Häusern im schwarzburg- rudolstädter Dorfe Weisbach". Diese "Geschwister" von dem urkundlich nunmehr genau 400 Jahre alten Lückenmühle weisen eine recht unterschiedliche Geschichte auf, und sie sind mit der politischen Zusammenlegung 1848 auch in recht verworrene Beziehungsverhältnisse gelangt. So wird der Name des Ortsteiles Rödern vom einstigen Roden des Waldes abgeleitet. So alt demnach der Ort sein könnte, so spät findet man seine erste bekannte urkundliche Erwähnung, nämlich aus dem Jahre 1509 mit der Bezeichnung "auf den Rödern" (nach G. Werner, Die ältesten urkundlichen Erwähnungen der Orte des Kreises Lobenstein, Burgk 1974). Die Anfänge werden aber schon in einem Vorwerk vom Rittergut zu Weisbach vermutet, aus dem sich später ein selbständiges Rittergut mit einem eigenen Gutsadel herausbildete. Zum Gut gehörte ehedem auch die Joachimsmühle. Nach dem Aussterben der Herrenfamilie fiel das Anwesen der Landesherrschaft von Reuß-Lobenstein zu, die es 1782 an den Gutspächter Hofmann verkaufte. Der ließ dann das alte Gebäude abbrechen und stattdessen vier neue Wohn- und Wirtschaftshäuser errichten. Außerdem ließ Hofmann hier seine vier Söhne ansässig werden. Diese Grundform hat sich für Rödern bis in die Gegenwart erhalten. Von den "Geschwistern" von Lückenmühle erregt Siehdichführ wegen seiner eigenwilligen Ortsbezeichnung immer wieder Aufsehen. Eine belegte Erklärung dafür läßt sich allerdings nicht mehr finden, und selbst eine erste urkundliche Erwähnung existiert erst vom Zusammenschluß 1848 mit Lückenmühle. Errichtet wurden das ursprüngliche Forsthaus und ein Bauernhof auf dem Röderschen Grund und Boden. Im Volksmund wird der Ortsname als eine alte Warnung vor Räubern gedeutet, die in der waldreichen Gegend dereinst ihr Unwesen getrieben hätten. Eine andere Ansicht spricht davon, daß an der früheren Straße an dieser Stelle ein Gasthof stand, der auf nur schwer befahrbaren Wegen zu erreichen war, deshalb sollten sich die Fuhrleute wegen der Unfallgefahr vorsehen. Eine alte Straßenführung muß in der Vergangenheit nach Ruppersdorf bestanden haben, da Siehdichfür nach Ruppersdorf pfarrte und auch das Forsthaus erst von Ruppersdorf nach Siehdichfür verlegt wurde. Einen guten Namen macht sich der ehemals so "verrufene" Ort in jüngster Zeit mit der Eröffnung des Mutter-Kind-Kurheimes in einem früheren Ferienobjekt. Die "reußischen Häuser" im damals schwarzburg-rudolstädter Nachbardorf Weisbach waren noch vor rund hundert Jahren "ein Freigutsgebäude und drei Tagelöhnerhäuser mit 14 Seelen" (nach Brückner 1870). Die Legende will sie als Patengeschenk der Reußen an die Schwarzburger wissen. Das sogenannte Freigut soll ursprünglich sogar ein Rittergut gewesen sein und entstand wahrscheinlich aus den schon 1347 durch eine Adelheide, Witwe des Burgmannes Konrad Poppo von Watzdorf, dem Kloster bei Saalburg vermachten Schenkungen. Das Gut erscheint seit 1450 im Besitz des Rittergutsadels von Posseck. Zur Geschichte dieses Weisbacher Freigutes sind die Nachforschungen allerdings noch nicht abgeschlossen. Das für 1997 anstehende 650jährige Ortsjubiläum von Weisbach aber läßt auch dazu neue Ergebnisse erwarten. Eine “Würdigung” des Jubilars im Jahr 1862 Als Lückenmühle vierfach “geschieden” war Der nunmehr 400 Jahre alte Jubilar Lückenmühle erfuhr schon im Jahre 1862 eine besondere "Würdigung", und zwar im Schleizer Wochenblatt vom 27. September. Dies vor allem deshalb, weil es zu jener Zeit gleich vierfach "geschieden" war. Die Zeitung bezeichnet den Ort am Rande des südwestlichen Winkels vom Burgker Streitwald als eine politische Gemeinde, die sich aus den Ortsteilen Lückenmühle selbst sowie Rödern und Siehdichfür zusammensetzt. Für den Ortskern Lückenmühle sind das unmittelbar am Wald liegende fürstliche Forsthaus und vier nur durch einen schmalen Wiesengrund davon getrennte Privathäuser aufgeführt. Für Rödern, das sich nur knapp fünf Minuten in südöstlicher Richtung davon befindet, werden zwei Bauernhöfe genannt. Schließlich hat das etwa acht Minuten westlich vom Ortskern stehende Siehdichfür damals aus einem Forsthaus und einem Bauerngut bestanden. Das Schleizer Wochenblatt begründet die Veranlassung zu der so außerordentlichen "Würdigung", indem zu den so zerstreut liegenden Gemeindeteilen geschrieben wird: "Sie bilden in politischer Beziehung eine Gemeinde, in kirchlicher aber - und das ist die Merkwürdigkeit, die ihnen hier einen Platz verschafft - sind sie vierfach geschieden. Es gehört nämlich das Forsthaus Lückenmühle in die Kirche zu Remptendorf (Greizisch), die übrigen Häuser daselbst in die Kirche zu Thimmendorf (Lobensteinisch), Rödern in die schwarzburgische Kirche zu Weisbach, Siehdichfür in die Kirche zu Ruppersdorf (Saalfeldisch)." Mit unverkennbarer Ironie beschließt dann das Blatt seine Beschreibung der Lückenmüh1er "Merkwürdigkeit" mit den folgenden Zeilen: "Es ist zu verwundern, daß nicht auch noch einige Häuser in das preußische Liebengrün und das Greizer Friesau eingepfarrt sind, denn beide liegen gleich den übrigen auch nur je dreiviertel Stunde von Lückenmühle entfernt..." Aber Verwunderung und Ironie des Autors reichten für die tatsächliche Realität noch nicht einmal aus. Denn auch politisch hatten die über Jahrhunderte zurückreichende geschichtliche Prozesse in diesem Territorium dazu geführt, daß zu der dann erst 1848 gebildeten Gemeinde außerdem noch die nahe Joachimsmühle gehörte, dagegen das Forsthaus von Lückenmühle zur damaligen Gemeinde Karolinenfield geschlagen war, während schließlich vier reußische Bauernhöfe im benachbarten schwarzburgischen Weisbach politisch der Gemeinde Lückenmühle zugehörten. Fehlt nur noch die Kennzeichnung der schulischen Verhältnisse in der "vierfach geschiedenen" Gemeinde, die sich in einer um die gleichen Zeit veröffentlichten ersten Ortsgeschichte (durch G. Brückner in der Landeskunde von Reuß j.L., Gera 1870) findet: "Früher schulten auch die Kinder in gleicher Weise in die Schulen dieser Pfarrgemeinden. In neuerer Zeit jedoch errichtete man ein Präceptorat, seit 1866 eine feste Schule in Lückenmühle, zuerst in einem Privathaus, seit 1867 in einem besonderen neu erbauten Schulhause, wo 14 Kinder Unterricht erhalten. Nur die reußischen Kinder in Weisbach sind bei der Weisbacher Schule verblieben.

Lückenmühle

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Alte Postkarte von Lückenmühle! Feldarbeit der Bewohner in Lückenmühle.